Ich habe es geschafft – und bin so stolz

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  • #37759
    Amalia
    Gast

    Hallo liebe Leidensgenossen,

    ihr wisst alle, wie es anfängt: man hat Schnupfen – nimmt Nasenspray – und kommt nicht mehr davon los.

    So ging es mir auch. Ich bin nun 30 und nahm das Zeug seit mindestens 15 Jahren. In meinen Augen hatte ich auch keine Nebenwirkungen, wieso also aufhören?

    Auch ein HNO Arzt, vor dem ich mich nicht outete, lobte meine vorzeige Nasenscheidewände. Unter Freunden war es immer schon ein running gag, dass ich das Zeug IMMER(!) dabei hatte.

    Irgendwann habe ich mich gefragt, wie lang das noch gehen soll. Als ich an dem Punkt war, mir zu merken, welche Apotheke ich als letztes besuchte, um dort beim nächsten Mal NICHT hinzugehen, wollte ich etwas ändern.

    Aber wie? Mein Umfeld sagte: hör doch einfach auf, das sind dann vielleicht 2 Wochen des Horrors, aber danach bist du clean.

    Ich konnte mich das einfach nicht vorstellen und hatte Angst vor dem Gefühl der verstopften Nase. Ich ging also zu einem Arzt und outete mich. Komplett. Auch er lobte erneut meine Nasenscheidewände, was aber nicht bedeutet, dass diese Sucht nicht andere Spuren bei mir hinterlassen hat. Riechen konnte ich schon lange nicht mehr richtig, aber wenn man es 15 Jahre nicht anders kennt, woher soll man dann wissen, wie es ist, wenn alles „normal“ ist??

    Der Arzt verschrieb mir ein kortisonhaltiges Nasenspray (Mometason forte), welches ich nun 5 Wochen morgens und abends nehmen soll. Er nahm mir auch direkt die Panik vor dem Kortison, das lokal angewendet wird. Denn das sei nicht schlimm, es geht nicht in die Blutbahn über und wirkt nur dort, wo man es hin sprüht.

    Donnerstags fing mein Entzug an, abends nahm ich den ersten Stoßes des kortisonhaltigen Nasensprays und habe nur darauf gewartet, dass es NICHT wirkt und ich mein normales Nasenspray wieder nehmen muss. Aber das passierte nicht.

    Ich war ununterbrochen in dieser Wartehaltung, dass meine Nase verstopft ist. Ich habe dann von Donnerstag bis Sonntag noch pro Tag einen Stoß meines normalen Nasensprays genommen, fragt mich bitte nicht warum. Es war nicht so, dass meine Nase verstopft war, aber ich hatte einfach Angst, dass meine Nase verstopft ist, wenn ich das nicht nehme.

    Ab Montag habe ich das dann gelassen, da ich gemerkt habe, dass es nur eine Gewohnheit ist und ich das nicht brauche und ich auch das Bedürfnis danach nicht hatte. Ich habe mir noch ein Meerwasser-Nasenspray aus einem Drogeriemarkt gekauft. Durch die momentane Heizungsluft usw. habe ich das Gefühl einer trockenen Nase. Das nehme ich zwischendurch mal, aber ich habe nicht den Zwang, es immer bei mir zu haben,

    Ich bin heute 26 Tage clean und bin auch wirklich davon überzeugt, dass ich das bleiben werde. Ich bin so stolz und glücklich, dass ich es geschafft habe. Diese Freiheit, das Zeug nicht mehr zu brauchen, ist unfassbar.

    Morgens aufzuwachen und eine freie Nase zu haben ist ein unbeschreibliches Gefühl.

    Ihr könnt das auch schaffen! Egal, wie lange ihr das Zeug schon nehmt!

    Ich war immer fest davon überzeugt, dass ich NIEMALS davon loskomme. Ich habe mich durch gefühlt 1000 Foren gelesen. Bei jeder einzelnen Erfolgsgeschichte dachte ich mir nur „das schaffe ich NIE“. Irgendwann hat es klick gemacht und ich habe mich gefragt, wieso schaffen es so viele und ich nicht? Der Entzug ist bis jetzt einfacher als ich es gedacht habe.

    Natürlich muss ich schauen, was die Zukunft bringt. Was passiert, wenn das Kortisonnasenspray leer ist? Was passiert, wenn ich eine Erkältung bekomme? Doch bis hier hin habe ich es geschafft und bin der festen Überzeugung, dass ich es auch weiterhin schaffe!!!

    #37820
    Eddy
    Gast

    Hallo Amalia,

    vielen lieben Dank für den ausführlichen Bericht über Deinen Aussteig! Du hast Dir wirlich viel Mühe gegeben und ich bin sehr sicher, dass Deine Schilderungen all denen Mut machen, die im Moment noch der Flasche mit dem Nasenspray sitzen, wie das Kaninchen vor der Schlange. Und das sind garantiert die meisten von den Besuchern dieses Forums. (die wenigsten kommen wieder, wenn sie es erst mal geschafft haben)

    Der von Dir gewählte Weg hört sich sehr gut an – und vor allem die Tatsache, dass Du das nicht alleine gemacht hast, sondern in „Zusammenarbeit“ mit einem kompetenten HNO, ist absolut topp! Diesen Weg würde ich auch jedem Anderen vorschlagen. Einzige Ausnahme: einen kalten Entzug auf eigene Faust versuchen. Das kann klappen – und falls nicht, sollte man die von Dir gewählte Option nutzen.

    Ich drücke Dir die Daumen dafür, dass Du keinen Rückfall erleben wirst. Das ist nach dieser langen Zeit auch wohl eher unwahrscheinlich. Und ich danke Dir nochmals für Deinen Beitrag!

    Alles Gute und viele Grüße,
    Eddy

    • Diese Antwort wurde vor vor 4 Jahre, 5 Monaten von Eddy bearbeitet.
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