Es reicht!

Dieses Thema enthält 4 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Wiebke vor 3 Jahre, 6 Monate.

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  • #673 Antwort

    Wiebke

    Hallo zusammen,

    so, jetzt hat es mich auch gepackt. Nachdem ich einfach immer wirklich der Überzeugung war, dass ich jederzeit aufhören kann, mir permanent die Nase vollzusprühen, bin ich nun an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht weiter sprühen will. Ich habe keine Lust mehr auf panisches Aufwachen jeden Morgen, weil meine Traumwelt mir wieder Höllenszenarios vorgaukelt. Immer, wenn nachts meine Nase zu geht, träume ich Szenen, in denen mir der Zugriff zu meinem Nasenspray verwehrt wird. Entweder ich bekomme es geklaut oder nicht ausgehändigt oder es ist leer und ich habe keine Chance auf ein neues Fläschchen. Das ist grausam und beunruhigend und entsprechend unentspannt wache ich dann auf, nur um erstmal einen erlösenden Sprühstoß zu nehmen. Die Apotheken wähle ich im Turnus aus, nur um sicherzugehen, dass die Apotheker keinen Wind kriegen und mir irgendwann kein Nasenspray mehr verkaufen. IMMER bekomme ich den Hinweis auf die Dauer der Anwendung und ich denke mir immer: „Ja, schon klar, aber wenn Sie wüssten…“ Ich war auch immer davon überzeugt, dass es meiner Nase nichts anhaben kann, aber mittlerweile siegt die trockene Schicht in beiden Nasenlöchern.
    Das war nicht immer so. Früher konnte ich wochenlang sprühen und dann von heute auf morgen einfach vergessen, dass da was war. Und da das mal so war, blieb ich bis vor kurzem in dem Glauben, dass das immer so sei.
    Nun haben sich die sprühfreien Intervalle verkürzt und das Engegefühl und die verstopfte Nase werden immer schlimmer, immer bedrohlicher, so dass ich immer rascher Abhilfe durch Sprühen schaffen muss. Aus dem Haus gehen ohne Spray endet immer in einer Odysee des Apotheken-Suchens, umso größer ist die Freude darüber, in einer lange nicht getragenen Jacke noch ein angebrochenes Fläschchen zu finden.

    Nasenduschen und Meersalznasenspray habe ich versucht. Hilft nicht, da es die Nase wirklich nullstens frei macht. Im Gegenteil, direkt danach ist die Nase dann extra voll und ich muss extra sprühen. Die Nasendusche wende ich bei Krankheit trotzdem an, soll ja alle Bakterien ausspülen, aber das war es dann auch schon.
    Die letzten Wochen hatte ich immer mal den Ein-Loch-Entzug im Auge und habe morgens nur in ein Nasenloch gesprüht, mit dem Ergebnis, das es mich spätestens mittags wahnsinnig gemacht und von der Arbeit abgelenkt hat, so dass ich dann doch wieder in beide Löcher gesprüht hab. Mit der vollen Nase kommt direkt ein latentes Panikgefühl und der Eindruck, dass es auf die Lungenfunktion und das Herz schlägt und dann muss ich einfach sofort etwas unternehmen. Auch nachts, denn der offene Mund und die trockene Zunge sind unerträglich. Das geht nun ca 4 Jahre. Vorher nur kurze Abhängigkeitsphasen und schnelle Entwöhnung.
    Mein Freund hat es schon lange aufgegeben, mir nahezulegen, es aufzugeben und längst ist es Routine, dass er mir abends mein Fläschchen ans Bett bringt, weil ich einfach sonst nicht schlafen kann.

    Es geht so nicht weiter!
    Ich habe mir heute Morgen nochmal ein Herz gefasst und es könnte heute mein erster Entzugstag sein, wenn ich denn durchhalte. In ein Nasenloch habe ich heute Morgen noch gesprüht, ich bin noch nicht sicher, ob eines nach dem anderen oder beide gleichzeitig. Auch da ich nächste Woche Mittwoch einen sehr wichtigen Termin habe, für den ich einen klaren Kopf und eine nicht-nasale Stimme brauche, weiß ich nicht recht, ob es der richtige Zeitpunkt ist, aber zur Hölle, ich kann mich da nicht immer rausreden.
    Essen macht keinen Spaß mit zuner Nase und mit anderen reden auch nicht. MIST! Eben habe ich einen langen Termin beim Chef überlebt. ein bisschen schnaufend, ein bisschen näselnd, aber überlebt. Hätte ich mich sonst nie getraut, ohne vorher nochmal einen Sprühstoß zu nehmen.
    Vor dem Abendessen und vor allem vor der Nacht graut es mir gewaltig.

    Umso beruhigender zu sehen, dass es Gleichgesinnte gibt und dass es zu schaffen ist.

    Ich lenke mich mit Mentholkaugummis und Pfefferminzöl im Tee ab. Hilft nur bedingt, aber ich bin beschäftigt.

    Für weitere Tipps bin ich dankbar (auch wenn ich alles schon gelesen habe, vielleicht kommt ja doch noch der entscheidende Hint) und hoffe, ich kann hier bald ein bisschen was Positives berichten.

    Sorry fürs lange Schreiben, es musste einfach raus:)

    Daumendrücken ist angesagt:)
    Viele Grüße,
    Wiebke

  • #675 Antwort

    Eddy
    Keymaster

    Hallo Wiebke,

    zunächst einmal herzlich Willkommen in diesem Forum – und DANKE dafür, dass Du uns Deine Geschichte mitgeteilt hast! Ich habe mich in vielen Punkten selbst wiedergefunden, zum Beispiel was die Erlebnisse mit/in Apotheken betrifft, oder die aufkommende Panik, wenn man merkt, dass kein Nasenspray mehr sofort verfügbar ist…

    Die wichtigste Frage: Wie war Deine Nacht??

    Ich hoffe, Du hast sie einigermaßen gut überstanden und wenigstens ein paar Stunden durchschlafen können?

    Den ersten (und wichtigsten) Schritt hast Du gestern morgen ja schon gemacht. Der feste Wille, von diesem Zeug los zu kommen zählt – und eben dieser erste Schritt in die richtige Richtung. TUN ist das richtige Mittel.

    Da Du hier schon ein wenig quer gelesen hast, ist Dir ja bewusst, was Dich in den nächsten Tagen und Wochen erwartet – bzw. erwarten kann, denn es ist ja von Fall zu Fall unterschiedlich hart, den Entzug durchzustehen. Falls es also sehr hart wird (Kopfschmerzen, Panik-Attacken), dann solltest Du überlegen, am Mittwoch erst noch diesen wichtigen Termin „mitzunehmen“ und danach noch einmal neu zu starten. Man/Frau muss natürlich Prioritäten setzen. Hauptsache, Dein Entschluss steht weiterhin fest und Du gehst das an.

    Mehr will ich dazu an dieser Stelle erst mal gar nicht sagen. Gute Ratschläge gibt es hier ja genug – und welche für Dich die richtigen sind, wird sich erst noch zeigen, wenn Du das nächste Stück des Weges gegangen bist: halte uns also gern auf dem Laufenden und berichte, wie es Dir geht.

    Ich drücke Dir von hier aus feste beide Daumen, damit Du es packst!!

    Schöne Grüße aus Bremen,
    Eddy

  • #680 Antwort

    Wiebke

    Hi nochmal,
    Danke für die stärkenden Worte, Eddy!

    Ich war gestern ziemlich unleidlich und nölig und es war total komisch, so viele Momente zu erkennen, in denen ich normalerweise selbstverständlich mein heißgeliebtes Spray benutzt hätte. Da wurde ich fast ein bisschen wehmütig, als ich mein Fläschchen zur Sicherheit mit ans Bett genommen habe, um es NICHT zu benutzen… War es doch die letzten Jahre treuer Begleiter.

    Die Nacht war fies und gemein und ich habe nicht gut geschlafen, weil einfach meine Nase zu war. Zwischen drin ein paar „freie“ Momente, das wars aber auch.

    Umso cooler war es dann, als ich mein Handtaschenfläschchen heute Morgen vor der Arbeit aus der Tasche genommen und daheim gelassen habe. Auch das Training habe ich ohne Sprüher geschafft und nur selten dran gedacht. In der Drogerie habe ich mir zum Finger Beschäftigen und Trockenheit loswerden ein Dexpanthenolspray mitgenommen, nur zum Beruhigen:)

    Allerdibgs habe ich fiese Kopfschmerzen und Sehstörungen, ob das vom Entzug kommt – keine Ahnung.

    Insgesamt bin ich überrascht von mir selbst und super begeistert, dass ich jetzt schon über 24 Stunden nicht einmal zum abschwellenden Spray gegriffen habe:)
    Ich bin gespannt auf die nächsten Tage und hoffe, es geht weiter bergauf. Und jetzt, wo ich angefangen hab, geb ich auch vor Mittwoch nicht auf. Kann ja zur Sicherheit und gegen Panik ein Fläschchen mitnehmen zum Nichtbenutzen;-)

    Viele Grüße und ein tolles Wochenende,
    Wiebke

  • #684 Antwort

    Eddy
    Keymaster

    Das klingt ja schon mal richtig gut! Und nicht sooo schlimm, wie bei manch anderem Entzug. Klasse! Ich hoffe, das geht so weiter – bzw. wird noch leichter, in den nächsten Tagen. Denn das schlimmste ist wohl immer diese erste Woche.

    Die Kopfschmerzen kann ich bestätigen – daran erinnere ich mich noch gut. Von Sehstörungen habe ich allerdings noch nicht gehört. Falls die weiterhin auftreten, empfehle ich auf jeden Fall mal einen Besuch beim HNO: Beratung kann auf keinen Fall schaden. Und vielleicht hat er ja einen Tipp für Dich.

    Für den Termin morgen alles Gute. Nimm doch einfach ein Fläschchen mit. So als psychische Stütze. Du musst es ja nicht benutzen. Ich hatte das damals auch so gemacht, als ich zum Zahnarzt musst: ich hatte ihm die Situation erklärt und geben, sofort aufzuhören, wenn ich die Hand hebe – damit ich sprühen kann und nicht ersticke… Heute lach ich darüber, aber damals. Naja, Du weißt, was ich meine. Jedenfalls hab ich das Spray nicht benötigt. Aber es war beruhigend zu wissen, das ich es als „Nothammer“ in der Tasche hatte.

    Viel Glück/Erfolg!!

  • #685 Antwort

    Wiebke

    🙂

    Ich war gestern ganz erstaunt, als ich aus Versehen ein unter den ganzen Kissen vergessenes Fläschchen gefunden habe. Super Gefühl. Die anderen Fläschchen stehen nebeneinander aufgereiht und werden nicht angerührt. In der Handtasche habe ich auch keine mehr, nur Dexpanthenol und selbst das brauch ich eigentlich nicht, da die Trockenheit schon viel besser geworden ist. Das linke Nasenloch plus Nebenhöhlen hat noch nicht ganz verstanden, was Freiheit bedeutet, aber rechts ist alles super.

    Ich denke immer seltener dran und freu mich jedes Mal wie Bolle, wenn mir auffällt, wie lang ich schon nicht mehr gesprüht habe. Auch meine Laune ist besser geworden, sehr zur Freude meiner Mitmenschen:)

    Eddy, wenn ich nicht durch Zufall auf deine Seite gefunden hätte, hätte ich wohl noch ewig gewartet. Danke für deinen Einsatz gegen das Spray!

    Viele Grüße,
    Wiebke

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