Clean seit 5 Wochen

Dieses Thema enthält 1 Antwort und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Eddy vor 1 Monat.

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    Matthias

    Hi,
    ich bin 46 Jahre alt und war ca. 18 Jahre lang abhängig.
    Ein Missgeschick hat dafür gesorgt, dass ich nun endlich von diesen beschissenen, kleinen Flaschen los bin.
    Alles fing damals an, wie bei wahrscheinlich jedem Süchtigen, mit einer Erkältung. Diese war sehr hartnäckig und ich nahm über ein Paar Wochen Tabletten gegen Erkältungskrankheiten und natürlich auch Nasenspray. So, wie ich mich erinnern kann, war das irgendwann im Frühjahr. Da ich allergisch auf Blütenpollen reagiere, wusste ich damals nicht so genau: ist es jetzt noch die Erkältung oder schon bzw. auch Heuschnupfen ? Die Symptome sind oft identisch und daher nahm ich lieber etwas länger die Tabletten als auch das Nasenspray. Der Zustand war ein auf und ab. Mal mehr schnupfen, mal weniger. Ist halt so bei Heuschnupfen. Damals nahm ich noch das Spray in der Quetschflasche. War damals praktischer und als Glas und in der Hosentasche bequemer zu tragen. Logischerweise nahm ich damals das Spray nach Möglichkeit nur abends, um eine erholsame Nacht zu haben. Lief auch. So gut, dass ich damals bewusst merkte, dass ich ohne das Zeug gar nicht mehr zu Bett gehen brauchte. Die Nase var verstopft. Bekam keine Luft. Scheisse. Also noch je 2 Sprühstösse Spray in jedes Nasenloch. Und gut war. ich könnte jetzt noch die weitere Entwicklung hier niederschreiben. Spare ich mir aber, da ich denke, dass jeder hier weiß, wie es weiterging und sich die Jahre über entwickelte. Bis vor kurzem benötigte ich pro Woche ca. 4 Flaschen a 15 ml Nasenspray. Ich nahm das, ohne die Marke zu nennen, mit dem Slogan „gute Preise, gute Besserung“. In Apotheken vor Ort kaufte ich schon seit Jahren nicht mehr. Mir war es zu peinlich zu denken, die Verkäuferin, die man bei so großem Bedarf immer öfter sah, würde nicht mitbekommen, dass man süchtig ist. Seit Jahren bestellt ich bei 3 verschiedenen Online-Apotheken immer die mögliche grösste Liefermenge von dem Spray. In der regel max. 6 Flaschen.ich ließ mir die Pakete immer zur Arbeit schicken, damit meine Frau nicht mitbekam, wie viel ich von dem Zeug mittlerweile nahm. Ob sie es je mitbekommen hat, wie lange und wie sehr ich abhängig war ? Ich hatte zu Hause immer sichere Verstecke für meinen Vorrat. Auch, wenn wir in den Urlaub gefahren sind, hatte ich immer lieber eine Flasche mehr als zu wenig eingepackt. Ich hatte ja immer meinen eigenen Koffer. Stopfte die Flaschen in Schuhe oder Socken oder sonst wo hin. Immer, nicht nur im Urlaub, mit dem Gedanken, „hast Du genügend Spray dabei?“. Aber auch das dürfte Euch bekannt sein. Und nun zu dem, was meinen Entzug veranlasst hat: Vor 6 Wochen waren meine Frau und ich ein verlängertes Wochenende im Harz. Also insgesamt 3 Tage. Ich nahm 2 Flaschen Nasenspray mit ins Gepäck.Dachte ich. Eine Flasche war, wie immer, in meiner Hosentasche. Also hatte ich 3 Flaschen mit. Als wir im Hotel ankamen stellte ich fest, dass sich nur eine Flasche im Gepäck befand. warum auch immer. Aber, cool bleiben, 2 Flaschen für 2,5 Tage sollten wohl reichen. Am ersten Abend gingen wir Essen. Tranken. Viel. Zu viel. Ich musste mal. Ging zur Toilette. Kurz vor rausgehen noch mal schnell nachsprühen. Die Luft im Restaurant war auch sehr stickig. Also noch ein Paar Sprühstösse in jedes Nasenloch. Viel hilft viel. Und dann, im halb besoffenen Kopf, passierte es: Die Flasche rutschte mir aus den Fingern. Der Boden aus Fliesen. Flasche kaputt ! Scheisse ! Wie jetzt den Rest des Abends ohne Spray auskommen? Sicher, im Hotel ist noch eine. Nur eine für 2 tage ? Scheisse ! Morgen vielleicht in einer Apotheke vor Ort nachkaufen. Geht. Aber jetzt ? ist noch zu früh, um ins Hotel zu gehen……. ! Alles scheisse !!!! Und in diesem Moment, auch, wenn ich schon zu viel getrunken hatte, war ich hell wach im Kopf und noch nie jemals zuvor hatte ich den Gedanken : So mein lieber ! Jetzt ist Schluss ! Ich hatte in den Jahren schon öfter vor, der Nasenspraysucht ein Ende zu setzen. Hatte mir aber selbst immer wieder Ausreden erfunden, um doch weiter zu machen. Aber nicht dieses Mal. Ich war soweit. Ich wollte. Und musste. Und hatte eine gute Gelegenheit. Denn meine Frau war kurz darauf einen Woche zu einem Seminar. Also nicht zu Hause. Meine größte Sorge war immer, dass ich bei einem Entzug ein paar Tage lang nachts bestimmt Atemprobleme erwartete. Da meine Frau eh nicht da war, schien mir die Gelegenheit günstig. Recherche im Netz. Kalter Entzug. Erst ein Nasenloch entwöhnen. Dann das andere. Zur Not ein Spray zur Nasenbefeuchtung bestellt. Und los ging es. !!! Und ganz ehrlich und ohne etwas zu verschönen; ich habe es mir wesentlich schwerer vorgestellt. Ein Paar Tage eine verstopfte Nase. Mal mehr, mal weniger. Mal gar nicht. Keine Kopfschmerzen. Keine anderen Entzugserscheinungen. Keine wirklich schlimme Atemnot. Irgendwie wir früher, wenn man mal erkältet war. Ein paar Tage leicht verminderte Atemfähigkeit durch die Nase. Dann wieder, als wenn eine Erkältung überstanden war, nahezu freies Atmen. Ab und zu, wenn ich tagsüber nicht viel draussen bin, nehme ich noch den ein oder anderen Sprühstoss „hysan Hyaluronspray“. Ist aber wirklich nur zum befeuchten der Nase. Hat keinerlei abschwellende Wirkung und keinerlei Suchtgefahr. Ich bin super froh, dass ich es geschafft habe nach so vielen Jahren und unabhängig von diesen beschissenen kleinen Flaschen leben zu können. mal abgesehen von den Kosten, die meine Sucht nach Nasenspray über die ganzen Jahren verursacht hat, ist es irgendwie ein neues Lebensgefühl. Unabhängig und gänzlich frei das machen zu können, es dann machen zu können, wann immer ich dazu Lust habe. Und sei es noch so spontan. Ich kann es machen. So wie ich bin. Jetzt und hier. Meinetwegen nackt !!! Denn ich brauch ja kein Spray mehr !!! Und das ist einfach nur geil !!!! ich wünsche jedem von Euch, der süchtig nach Nasenspray ist, dass er von dem Zeug los kommt und dabei das allerbeste Gelingen. ich habe nur berichtet, wie es bei mir war. Der kalte Entzug ist bei vielen Leute bestimmt wesentlich schlimmer. Aber wie man in meinem Fall sehen kann, geht es auch leichter. Ist wohl sehr individuell. Aber trotzdem an alle: Viel Erfolg !!! Gruß, Matthias

  • #36788 Antwort

    Eddy

    Hallo Matthias,

    vielen lieben Dank für Deinen ausführlichen Beitrag mit der Schilderung Deines „Leidensweges“. Ich bin sicher, dass Du mit dieser Story anderen Lesern hier Mut machst, die vielleicht noch zweifeln, ob sie von der Sucht los kommen können.

    Natürlich ist es richtig, dass der Weg für jeden Menschen unterschiedlich lang und verschieden holprig ist. Aber was zählt ist eben der Wille, diesen Weg bis an das Ziel zu gehen, ohne vorher stehen zu bleiben. Du hast das Ziel erreicht – und Du kannst stolz auf Dich sein!

    Also, nochmals vielen Dank und viele Grüße
    Eddy

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